Wieviel Unruhe können Bots in sozialen Netzwerken stiften?

In ihrem Projekt SoMeFo untersuchen Wissenschaftler der Uni Gießen das Verhalten von Bots auf sozialen Netzwerken. Diese sind inzwischen ziemlich ausgetüftelt und werden zum Beispiel von der IS genutzt, um Meinung zu machen und Rekruten anzuwerben. Den Ausführungen der Welt zufolge setzen vermutlich ukrainische Ultranationalisten bis zu 15.000 Bots auf Twitter ein, die ca. 60.000 Meldungen am Tag absetzen. Um nicht gleich aufzufallen, tweeten diese Bots meist harmloses, aus dem Netz Zusammengeklautes: Nachrichten zu Sportevents etwa oder simple Lebensweisheiten. Nur dann und wann werden politische Meinungen abgegeben, vermutlich um andere davon zu überzeugen, dass der genannte Fakt richtig sei. Als Beispiel nennt Dr. Hegelich, einer der beteiligten Forscher, den Satz: “Putin plant Krieg gegen die Ukraine noch diesen Monat!”

Neben dieser gesellschaftlich höchst bedenklichen Propagandawirkung besteht das zweite Problem darin, dass auch Politiker und Nachrichtendienste soziale Netzwerkplattformen nutzen, um den “Volkeswillen” kennenzulernen. Wenn das auf den Plattformen Geäußerte aber zu einem Großteil von Bots stammt – wie können wir dann noch erkennen, was gerade in der Volksseele hochkocht? Jetzt könnte man argumentieren, dass wir nicht schlechter dran sind als zu dem Zeitpunkt, wo es noch keine dieser Plattformen gab. Aber natürlich ist das nicht der Fall, denn eine öffentliche Fehlinformation ist in vielen Fällen deutlich schlimmer als keine Information.

Auch wenn das Projekt daran arbeitet, diese sozialen Bots zu erkennen, schreiben sie in ihrem neuesten Paper zu dem Thema, dass es schwierig ist, die Entscheidungen des Algorithmus auch für die Nutzer transparent zu gestalten, ohne dass eine neue Generation von Bots entsteht, die genau diese Transparenz nutzen, um sich besser anzupassen. Sie nennen das Dreieck aus Akkuratheit (des Algorithmus in der Erkennung), Transparenz (der Entscheidungsgrundlage des Algorithmus) und der Robustheit (des Algorithmus auch die nächsten Generationen von Bots erkennen zu können) das “Dreieck des Bösen”. Hoffen wir, dass sie sich und uns von diesem Bösen bald befreien können!

ACM Webcast zu: ” Computing Professionalism: Do Good and Avoid Evil…and Why It Is Complicated to Do that in Computing”

Die ACM organisiert immer wieder Webcasts zu ausgewählten Themen, zu denen sich jeder anmelden kann. Das Thema vom 23.1.2014 ist direkt aus dem Themenkatalog der Sozioinformatik: “Computing Professionalism: Do Good and Avoid Evil…and Why It Is Complicated to Do that in Computing.”

Hier ist die Zusammenfassung des Webcasts:
Most computing professionals want to avoid evil and to do the right thing. But that isn’t always easy. Sometimes doing the right thing exacts a difficult price from the individual professional. Other times, it is difficult to know exactly what the right thing is.

In this presentation, we will try to help with both problems. Difficulties with these two problems contribute to failed systems, derailed projects, and significant negative impacts on society. We will introduce ways to migrate these risks based on current research in computing, ethics, and psychology.

We will put this into a larger perspective by discussing the international efforts to professionalize computing. These efforts are a mixed blessing, but they point to the importance of professional ethics in computing.

Registrierung erfolgt einfach mit Emailadresse und vollem Namen unter diesem Link.

 

Sponsored Posts in Facebook

Heute war in vielen Zeitungen zu lesen, dass Facebook in einem Vergleich $20 Millionen zahlen wird, um einerKlage gegen sogenante “sponsored posts” zu umgehen. Was sind diese gesponserten Mitteilungen eigentlich? Facebook finanziert sich über Werbung, wie viele andere Internetfirmen auch. Dabei gibt es verschiedene Formen der Werbung: Bei der einen kann der Werbekunde sich sehr genau aussuchen, bei welcher Art von Mitglied die Werbung platziert wird, z.B. nur bei Frauen über 18, die als Beziehungsstatus ‘Single’ angeben. Die andere Art der Werbung nutzt die Informationen, die das soziale Netzwerk bietet, nämlich wer mit wem befreundet ist. Wenn also Person A auf der Facebook-Seite einer Firma ein ‘like’ setzt oder einen freundlichen Kommentar schreibt, dann kann die Firma einen Teil dieses Kommentars nehmen und in die Anzeige integrieren. Eine solche personalisierte Anzeige kann dann an die Freunde von Person A verschickt werden und dort geeignet platziert werden. Facebook Deutschland schreibt dazu: “Beiträge oder Aktivitäten mit deinem Profilbild oder Namen, z. B. eine Meldung darüber, dass dir Starbucks gefällt, können mit einer Werbeanzeige kombiniert oder in einer gesponserten Meldung hervorgehoben werden.” Dazu wird Person A nicht gefragt – auch kann der Kommentar oder das ‘like’ schon länger her sein – auf der Anzeige wird der Kontext, in dem Person A den Kommentar gesetzt hat, nicht mehr hergestellt.

In dem vorliegenden Gerichtsfall ging es aber um eine weitere Art der Werbung, nämlich das hervorgehobene Platzieren von Meldungen von Aktivitäten von Freunden. Ähnlich wie im zweiten Fall wird hier die Meldung, dass Person A auf Firmenseite B etwas kommentiert hat, ganz nach oben gesetzt. Auch hier gilt: der Zeitpunkt des Kommentars ist unabhängig von der Platzierung, im Gegensatz zu den sonstigen Aktivitäten, die immer weiter nach unten sinken, je länger sie her sind.

Die Kläger haben beklagt, dass mit ihrer Hilfe bei ihren Freunden Werbung für Produkte und/oder Firmen gemacht wird, ohne dass sie dieser Werbung bewusst zugestimmt haben.

Diese Zeitungsmeldung unterstreicht einen fundamentalen Unterschied in der Art und Weise, wie Menschen und Computer Informationen verarbeiten: für uns als Menschen ist der Kontext einer Aussage fundamental wichtig für ihr Verständnis, für Computer dagegen ist der Kontext nur schwer fassbar. Als Gesellschaft müssen wir uns überlegen, wie wir mit einmal gemachten Aussagen im Internet umgehen wollen: dürfen diese aus ihrem zeitlichen und inhaltlichen Kontext losgelöst werden, wenn die inhaltlichen Rechte ausdrücklich an die jeweilige Firma übertragen wurden? Dies ist sicherlich auch für den deutschen Rechtsraum eine interessante und noch zu klärende Frage.

Autorin: Prof. Dr. Katharina Zweig

Gewinner des App2You-Wettbewerbes stehen fest

Aside

Zum ersten Mal hat das Land Rheinland-Pfalz den Informatikwettbewerb “It’s app2you” ausgelobt und die Gewinner sind das beste Beispiel für das, was die Sozioinformatik ausmacht: die Gewinner-App TAFF (The App for Firefighters) ist eine App, die freiwillige Feuerwehren bei der Organisation von Einsätzen unterstützen soll. Jens Göllner ist selber bei der freiwilligen Feuerwehr und erkannte, dass die Einsatzleiter manchmal mehr Informationen darüber brauchen könnten, wo welcher Feuerwehrmann ist, ohne jeden einzeln antelefonieren zu müssen. Im Rahmen des Wettbewerbs hat Göllner zusammen mit zwei Mitschülern, seinem Lehrer Hans-Peter Habelitz und professionellen Programmierern diese Idee weiterentwickelt und damit letztendlich den Preis gewonnen.

Das TAFF-Team: Die Sieger des Wettbewerbs "It's App2You"

Das TAFF-Team: Die Sieger des Wettbewerbs "It's App2You"

Der Fachbereich Informatik der TU Kaiserslautern gratuliert allen Gewinnern herzlich!

Link: Offizielle Wettbewerbsseite (externer Link)